Jahreszahlen und Fakten zur Geschichte der Claramatte
zusammengestellt anhand 'Kurzinventar Basler Gärten und Anlagen' (Stadtgärtnerei + Friedhöfe / Basler Denkmalpflege, 1999) und 'Claramatte Basel. Aufwertung der Quartieranlage. Bericht der Beurteilungskommission' (CMS, 2000).
1820 - 1863 Turnplatz, Schlittschuhbahn und Badeplatz (für Waisenmädchen)
auf der schon seit 1480 'Claramatte' genannten Wiese am 'Krummen Teich' (Abzweiger des Riehenteich)
1855 - 1864 Mehrere Pläne zur Stadtraumgestaltung auf der alten Claramatte (Gliederung durch neue Strassen, Festlegen der Baulinien und -plätze, Gestaltung der Anlage).
Die projektierte und realisierte Gestaltung der Claramatte beschränkt sich auf eine lang gestreckte Grünanlage mit nahezu rechteckigem Grundriss, bestehend aus einer vertieften, zusammenhängenden Wiesenfläche, die am äusseren Rand von einer doppelreihigen Baumpflanzung gerahmt ist.
Ein späterer Entwurf zeigt weitere Differenzierungen in Form von schmückenden Zutaten an den jeweiligen Stirnseiten der Anlage und einer inneren, die Baumalleen begleitenden Wegeführung. Gemüss dem Initianten betreffend Sicherung und Gestaltung der Claramatte, Dr. Edouard Hagenbach-Bischoff (1833-1910), bedurfte es dazu: eines neuen Bewässerungsgrabens, der Entfernung der 'alten, verkrüppelten Bäume' und der Nivellierung des ganzen Platzes.
1863 - 1865 Aufteilung der Gesamtfläche in drei Teile und Bau der ersten Anlage
1. Klingentalstrasse und längsseitige Bauparzelle
2. Claramatte (vertiefte Rasenfläche, umrahmt von doppelter Baumreihe)
3. Drahtzugstrasse und Claramattweg und begleitende Bauparzellen
1865/1866 Endgültiger Verzicht auf eine Schlittschuhbahn, denn das Wasser sickerte in die benachbarten Keller.
1868 Bericht der Land- und Waldinspektion. 'Auch der Plan, das Areal als Rasenplatz zu erhalten, ging zunichte, da das Publikum kreuz und quer darüber lief und einen Rasen nicht aufkommen liess.'
1868 - 1870 Auffüllung der Claramatte auf Strassenniveau u.a. mit dem Aushubmaterial für den Neubau der Floretspinnerei Ryhiner und Söhne längs dem Claragraben.
1870 - 1873 Neugestaltung der Anlage.
Nach der Aufschüttung des Geländes erfolgte die Parkgestaltung durch Stadtgärtner Michael Weckerle - nach dem Muster des englischen Square (rechteckige, von Wohnhäusern umgebene Freifläche mit diagonal in den Ecken liegenden Zugängen und meist spiegelbildlichen Bepflanzungen).
Verwirklicht wurde gemäss Planfassung vom 8.1.1872 eine Variante mit insgesamt 94 Bäumen - Platanen, Ulmen, Linden und Ahorne innerhalb des Parks und rotblühende Rosskastanien als Arealbegrenzung zum Trottoir. Neu hinzu kamen Sitzbänke und auf der Seite der Hammerstrasse ein Bassin mit Felshinterfangung sowie ein Brunnen in einer Nische des Trottoirs.
1897 Bau des Städtischen Brausebades als Endpunkt der Mittelachse der Anlage in der Stirnrabatte zum Claragraben hin (Architekt: Carl Leisinger), Bau einer Ziegenmilchbude und einer Werkzeughütte.
1900 Bau eines öffentlichen Pissoirs hinter dem Brunnen an der Hammerstrasse.
1902 - 1909 Verschiedene Anbauten (Erweiterungen) des Brausebades.
1912/1923 Bau des Musikpavillons, zunächst als ungedecktes Podium in Beton anstelle der Wasser- und Felsanlage. 1923 Überdachung des Podiums in Eisenkonstruktion, Holzverschalung und Kupferblechabdeckung.
1936 - 1938 Erster umfangreicher Teilumbau der Anlage: Reduktion und Neuaufteilung der Platzfläche und Zugänge unter Beibehaltung der Längsachse und Verzicht auf queraxiale Bezüge und Symmetrien. Weitere Baumfällungen, Reduzierung der Kiesflächen und Wegbreiten zugunsten von Rasenflächen. Abtrennung eines Kinderspielplatzes mit Sandhaufen, Bänken und einem halbovalen Planschbecken. Erste Auto-Parkplätze entlang der Klingental- und Drahtzugstrasse.
1937 Im neuen Kinderspielbereich wird der Trinkbrunnen 'Schlange' von Karl Gutknecht (1878-1970) aufgestellt. (Der Brunnen wurde im Frühling 2001 leider beschädigt; die Möglichkeiten zur Reparatur werden abgeklärt). Der 'Schlangenbrunnen' ersetzt den 'Widderkopfbrunnen', den das Brunn- und Bauamt 1873 als Trinkwasserbrunnen auf der Claramatte eingerichtet hatte.
1942 - 1948 Intensive Korrespondenz bezüglich des Zustandes. Zu dichter und schattiger Baumbewuchs führt zu einer Einschränkung in der Nutzung als Spielplatz und als Zieranlage. Der Spielplatz und die Rasenflächen sind bereits übernutzt. Schadhafte Bäume werden sukzessive entfernt, um der Claramatte mehr Licht und Raum zu geben.
1946/1958 Umbau der Badanstalt Claramatte in eine Kleinkinderschule (Kindergarten) / Dachstockumbau im ehemaligen Brausebad.
1953 - 1956 Zweiter umfangreicher Teilumbau: Teilabriss der Anlage entlang der Klingental- und Drahtzugstrasse: Verschmälerung der Anlage durch die Erweiterung der Parkplätze, ab 1956 in schräger Anordnung auf Kosten der Grünfläche. Aufteilung der Anlage in drei verschieden grosse, rechteckige und durch Hecken eingefasste Bereiche für unterschiedliche Funktionen und Nutzungen (Kindergarten, Spielplatz, Parkanlage). Abbruch der Ziegenmilchbude und weitere Baumfällungen. Beibehaltung der Längsachse und der Baumrondellen.
1958 Bau der öffentlichen Toiletten mit Magazin für die Stadtgärtnerei an der Ecke Hammerstrasse/Drahtzugstrasse. Umgestaltung der Drahtzugstrasse mit schräger Anordnung der Parkplätze und Zurücksetzung des Trottoirs hinter die erste Baumreihe. Damit weitere Einschränkung der Grünfläche.
1963 Bau eines Fluchtstollens von Hammerstrasse 86A mit Notausstiegsschacht in der Grünzone der Claramatte.
1964 - 1996 Verschiedene Ergänzungen und Änderungen. Bau eines Werkplatzes an der Ecke Klingental-/Hammerstrasse und spätere Umwandlung in einen Containerplatz. Verschiedene Spielgeräte und Erweiterung der Spieleinrichtungen, kleinräumige Einbauten (z.B. 'Hundetoilette') und Zieranlagen.
2000 Die Christoph Merian Stiftung (CMS) nimmt die Diskussionen über die Claramatte auf und hält fest, dass der heutige Zustand der Anlage unbefriedigend und eine Aufwertung wünschenswert ist. Unter Mitbeteiligung des Baudepartementes des Kantons Basel-Stadt veranstaltet die CMS ein Projektierungsverfahren und vergibt Studienaufträge an fünf Projektteams.
Mit einbezogen werden neben den staatlichen Abteilungen (Stadtgärtnerei und Friedhöfe, Verkehr und Transport, Stadtgestaltung Öffentlicher Raum) auch die AnwohnerInnen, vertreten durch den Verein Claramatte.
Sept. 2000 Das Beurteilungsgremium wählt aus den fünf vorliegenden Projekten das Projekt des Teams Raderschall Landschaftsarchitekten zur Weiterbearbeitung aus. Dieses Projekt nimmt die ursprüngliche Gestaltung als Square wieder auf. Ein Teil des ruhenden Verkehrs soll in ein unterirdisches Parking (unter der Klingentalstrasse) verlagert werden, wodurch es möglich wird, die in früheren Umgestaltungen dem Verkehr geopferten Flächen der Claramatte wieder zurückzugeben.
Das Beurteilungsgremium zeigt aber klar auch die Grenzen des 'designeten' Projektes Raderschall auf und verlangt Nachbesserungen in den Bereichen Gestaltungskonzept, Gestaltung der Randbereiche, Gestaltung der Mittelzone ('Platz') und Gestaltung des Spielplatzes. 'Der Kinderspielbereich soll vergrössert und aufgrund von heutigen Erkenntnissen und Anforderungen aus dem Benutzerkreis gestaltet werden.'
2001 - 2002 Mit dem Projektierungsverfahren ist die Diskussion über die Neugestaltung erst richtig angestossen. Die Umsetzung wird dann möglich sein, wenn für den ruhenden Verkehr eine Lösung gefunden werden kann, die für die BewohnerInnen und das ansässige Gewerbe in gleichem Masse akzeptabel ist. Da in diese Diskussion das an die Claramatte angrenzende Vischer-Areal (Grundstück Möbelhaus 'Mobitare') mit einbezogen werden muss, sind weitere Einflüsse nicht im Voraus abzuschätzen.
2002 Der Verein Claramatte initiiert die 'Spiel-Animation auf der Claramatte' und bietet in der Sommersaison vorerst wöchentlich einen Spielnachmittag an.
Die Nachmittage werden im Auftrag des Vereins durch die Robi-Spiel-Aktionen durchgeführt. mehr...
2002 - 2003 Der Musikpavillon wird durch das Baudepartement repariert und renoviert, nachdem über die letzten Jahre das Dach undicht geworden war und die darunter liegende Beleuchtung Schaden genommen hatte. Am Bärentag 2003 wird der renovierte Pavillon eingetrommelt und eingetanzt. mehr...
2003 Modell-Ansicht der Überbauung gemäss Projekt koechlin schmidt für das Mobitare-Areal    Modell-Ansicht der Überbauung gemäss Projekt koechlin schmidt für das Mobitare-Areal
Das Vorhaben für die Aufwertung der Claramatte konkretisiert sich. Investoren werden gesucht und gefunden. Die Koordination mit A.Vischer (Mobitare-Areal) wird definiert.
So wird ermöglicht, das Projekt in drei Teilprojekte zu unterteilen:
1. Bau eines privaten unterirdischen Parkhauses mit knapp öffentlichen 300 Plätzen und einem Anwohnerparking
2. Vergrösserung und Umgestaltung der Claramatte und der umliegenden Strassenräume. Rund 170 oberirdische Parkplätze werden aufgehoben.
3. Private Erstellung eines Wohngebäudes auf der Parzelle des heutigen Mobitare.
Projektübersicht   Medienmitteilung Baudepartement
Juni 2003 Die christoph merian stiftung hat die weitere Bearbeitung des Projektes von Raderschall Landschaftsarchitekten in Auftrag gegeben, ebenso wie die Projektierung der Strassenraum-Gestaltung. Sie nimmt den Dialog mit den AnrainerInnen und mit den BenutzerInnen wieder auf, um die Claramatte optimal gestalten zu können.
2003 - 2004 Der südliche Teil des Mobitare-Gebäudes wurde abgebrochen, und nach dem Aushub für die zwei unterirdischen Parkgeschosse ist der Bau des Parkhauses nun im Gang. Bis Frühjahr 2004 soll der Rohbau errichtet sein.
Christoph Merian Stiftung, Raderschall Landschaftsarchitekten und die VertreterInnen des Quartiers haben das ursprüngliche Projekt in einer intensiven Zusammenarbeit weiter entwickelt und im Januar 2004 einen konsensfähigen Entwurf vorgelegt. Insbesondere der Spielplatzbereich gab Anlass zu fundierten Diskussionen und zu Wunschlisten seitens der Anwohnerschaft. Der Entwurf wird bis Sommer 2004 zur konkreten Baueingabe weiter entwickelt.
Rechtzeitig zur Eröffnung des Parkhauses soll die Verkehrssituation um die Claramatte geklärt sein, damit die oberirdischen Parkplätze aufgehoben werden können. Die Regierung hat einen Ratschlag ausgearbeitet, mit dem sie Zonenänderungen und die Zuordnung der Lärmempfindlichkeitsstufe vornehmen will. Während die eigentliche Umgestaltung der Claramatte durch die Christoph Merian Stiftung finanziert wird, beantragt die Regierung Kredite für bauliche Massnahmen im Zusammenhang mit der Vergrösserung der Claramatte und mit der neuen Verkehrsführung, inkl. Anschluss ans Parkleitsystem.
Ratschlag der Regierung (pdf, 791KB)   Medienmitteilung vom 9.3.2004